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Prüfungsrecht: Oberverwaltungsgericht Münster hebt Prüfungsentscheidung im medizinischen Staatsexamen auf

Das OVG Münster hatte in einem rasch entschiedenen Eilverfahren über eine mündliche Prüfung im Rahmen der ärztlichen Vorprüfung zu entscheiden, bei der die Prüfer während der Prüfung nicht ständig anwesend waren. Die Kandidatin musste „kleinteilige Strukturen“ in dieser Anatomieprüfung an einem extra Prüfungstisch erklären. Mindestens ein Prüfer der dreiköpfigen Prüfungskommission hat diese Prüfung nur aus der Ferne von einem anderen Tisch aus beobachtet. Damit war die Prüfungskommission nicht vollständig „anwesend“. Die Prüfer hatten behauptet, sie hätten das Prüfungsgeschehen aus einer Entfernung von ca. 6 Metern selbst dann verfolgen können, wenn die Kandidaten „kleinteilige Strukturen“ an dem Präparat erläutern sollten. Das Gericht hat hierzu festgestellt, dass alle Mitglieder einer Prüfungskommission die Prüfungsleistungen jedes Kandidaten unmittelbar und vollständig zu Kenntnis nehmen müssen.

In prozessualer Hinsicht hat das Oberverwaltungsgericht eine weitere wichtige Entscheidung getroffen. Das Verwaltungsgericht hatte es nämlich abgelehnt, „in der Sache“ zu entscheiden. Einstweilige Anordnungen im Prüfungsrecht seien nur in absoluten Ausnahmefällen gestattet. Betroffene Studierende müssten sich auf das sogenannte Hauptsacheverfahren beschränken (das Jahre dauern kann). Das Oberverwaltungsgericht hat das Verwaltungsgericht korrigiert und festgestellt, dass Studierende bei langer Verfahrensdauer mit einem Verlust des bislang erworbenen Prüfungswissens rechnen müssen. Auch sei mit einem Hinausschieben der späteren Berufstätigkeit auf unabsehbare Zeit zu rechnen (OVG Münster Beschluss vom 16.11.2017 14 B 1341/17).